Esse keine Kohlehydrate, kein rotes Fleisch, kein Zucker, keine tierischen Fette und keinen Salz. Trinke keinen Alkohol, keine Softdrinks und keinen Kaffee… Die Liste der bösen Substanzen ist lang, so lang, dass ich nicht einmal versuchen werde es zu vervollständigen.

Vor zwei Jahren, war ich eine Verfechterin einer solchen Liste. Ich habe versucht, mich an den Regeln des, wie ich sie nenne: Super-Gesunden Lebensstils zu halten und habe mir sogar das Kochbuch von Gwyneth Paltrow zugelegt. Ein paar Monate lang war ich eine eifrige Anhängerin aber irgendwann wurde mir klar, dass ich mich selbst belog und dass ich eigentlich unglücklich war. Es war kurz nachdem ich das Brownie Rezept von Gwyneth Paltrow ausprobiert habe, als ich erkannte, dass es so nicht weitergehen kann. (Laut Gwyneth schmecken ihre super-gesunden Brownies genau wie Echte – sie hat offensichtlich seit Jahrzehnte keine richtigen Brownies mehr gegessen, sonst würde sie wissen dass ihre, eher trockenen Schlamm mit Kaffeegeschmack nahekommen.)

Jedenfalls, interessiere ich mich ja doch für einen gesünderen Lebensstil und ertappe mich immer wieder dabei, wie ich Artikeln lese die darüber informieren wie man sich von Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte allein ernähren, und dabei genug Energie für sechs mörderischen Sporteinheiten aufbringen kann – und die ganze Zeit denke ich mir dabei: das ist doch so unrealistisch! Die einzigen Menschen die vielleicht einen solchen Aufwand betreiben müssten um so makellos wie möglich auszusehen sind Menschen die mit ihrem Aussehen Geld verdienen wollen. Und selbst Die brauchen perfekte Ausleuchtung, Make-up und Photoshop um das Endergebnis, das in den Illustrierten abgedruckt wird, zu erreichen. Als Mitwirkender kann ich das bestätigen. (Ich finde übrigens die Kundenerwartungen an Models zu hoch – aber das ist eine ganz andere Baustelle und wird hier nicht weiter thematisiert).

Alle anderen sollten sich einfach entspannen!

Ich glaube fest an den goldenen Mittelweg. Ich esse was ich will, in Maßen. Ich betreibe Sport und Bewegung, in Maßen. Ich bin eine glückliche Größe 38, Teile von mir haben Größe 36, andere Teile wiederum Größe 40. Also, nein, ich bin nicht perfekt und Perfektionisten würden sagen, dass ich unproportioniert bin. Aber das ist nur nach deren Standards. Nach meinen Standards bin ich gut, so wie ich bin.

Für mich geht Selbstzufriedenheit mit Selbstakzeptanz Hand in Hand. Ja, ein Teil von mir ist ein Gesundheitsfreak. Aber ein anderer Teil von mir ist ein nachlässiger, fauler, Fettarsch. Also, hätte ich mit dem super-gesunden Lebensstil fortgefahren, so hätte ich damit weitergemacht einen Teil von mir Selbst zu verleugnen und mich dadurch weiterhin unglücklich gemacht. Deshalb, habe ich mich dazu entschieden, meine angeblich dunkle Seite zu akzeptieren und es gelegentlich mit Chips und echtem Kuchen mit Buttercreme zu füttern. Aber das bin halt ich…

Solltest du keine nachlässige, faule, Fettarsch-Seite zu deiner Persönlichkeit haben, und wenn ein super-gesunder Lebensstil und Unmengen an Sport dich glücklich machen, dann sei stolz auf dich und mache weiter so. Aber wenn du zu den Menschen gehörst die andauernd das Gefühl haben, zu viel vom Falschen zu essen und zu wenig Sport zu treiben dann Frage dich einfach: Ist das wirklich so? Wenn ja, versuche ein wenig Mäßigung. Wenn nein, dann bist du wahrscheinlich schon längst auf den goldenen Mittelweg, ohne es zu wissen.

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